Eine Weitwanderung von der Elbe zur Oberlausitz

von Rüdiger Schneider

Dieser Bericht wird z. Zt. bearbeitet.

Als festgelegt war, dass die Mitgliederversammlung der I.W.F. 2011 in Bad Oybin, in der Oberlausitz, mit der sich anschließenden Jahreswanderwoche stattfinden würde, erwähnte unsere Wanderwartin Ingrid Weber den Oberlausitzer Bergweg. Sie wusste zu berichten, dass er in diesem Gebiet verläuft. In diesem Moment war bei mir die Idee geboren, diesen Weg zu wandern, um auf diese Art zur Mitgliederversammlung zu gelangen.

 

Nach näherer Betrachtung und der Tatsache, dass Gabi und ich uns durch Urlaubsplanungen nur auf die Woche vor der Mitgliederwanderwoche konzentrieren konnten, wurde klar, dass eine Beschränkung ausschließlich auf den Oberlausitzer Bergweg nicht optimal sein würde. Aus einer ganzen zur Verfügung stehenden Woche wollten wir unbedingt mehr machen.

 

Die Zeit der Planung begann zuerst mit dem Informationsmaterial zum Oberlausitzer Bergweg. Nachdem der Verlauf und die möglichen Tagesetappen klar waren, konnte die Entscheidung darüber fallen, was wir damit kombinieren. Logisch, dass ich auf das Elbsandsteingebirge mit seiner einmaligen Landschaft stieß. Nur, wo anfangen und woher gehen, bei den vielen Wegen, und schaffen wir das in 8 Tagen? Jetzt war es wichtig, zu schauen, an welchen Stellen sich für uns geeignete mögliche Unterkünfte befinden und zu klären, wie die Tagesetappen dann aussehen würden. Es wurde schnell erkennbar, dass das Angebot, nachdem wir erst einmal das touristische Elbetal verlassen würden, sehr gering ist und dass damit auch nur eine frühzeitige Reservierung der Zimmer in Frage kommt. Diverses Kartenmaterial verschaffte mir einen Überblick über die grobe Planung des Wegverlaufes. Die Detailplanung habe ich dann an Hand meiner GPS-fähigen Deutschlandwanderkarte am Computer vorgenommen. Hier habe ich jeden Tag vorgeplant, so dass ich die Tageskilometer mit einer Abweichquote von rd. 10 % (Erfahrungswert, den ich dann berücksichtigt habe), incl. Höhenmetern, ermittelt habe. Diese Daten konnte ich auf mein GPS-Gerät übertragen, in der Hoffnung, dass diese, für mich neue Technik, funktioniert.

Was mir die Planung und uns letztlich das Wandern wesentlich erleichtert hat, war zu unserer Freude die Tatsache, dass sich uns Ingrid und Karl anschließen wollten und dass Karl uns mit dem Auto „begleiten“ würde. Somit brauchten wir für die Wanderung nur kleines Gepäck und hatten ein „Notfalltaxi“ abrufbereit. Trotzdem hatte ich das Ziel, diese „Erstbegehung“ tatsächlich auch komplett zu laufen.

 

03.09. Anreisetag

So vorbereitet, mit Sack und Pack, Unterkunftsliste, Kartenmaterial und GPS-Gerät sind wir am Samstag, den 03.09.2011 mit der Bahn nach Bad Schandau an der Elbe gefahren. Wenn man nicht schon einmal dort gewesen ist, weiß man nicht, dass sich der Bahnhof auf der anderen Seite der Elbe und noch ein ganzes Stück nördlich vom Ort befindet. Nachdem wir uns durch die Bahnhofsbaustelle gekämpft und den Weg hinab zur Elbfähre erreicht hatten, war alles ganz einfach. 10 Minuten warten und dann mit der kleinen Fähre Fluss abwärts fahren und auf der anderen Seite 300 m durch den Ort zur Unterkunft gehen. Ingrid und Karl waren kurz vor uns mit dem Auto eingetroffen und empfingen uns mit Freude. Das Hotel hielt das, was wir uns davon versprochen hatten. Es bot uns mit italienischem Ambiente eine angenehme Atmosphäre. Zur guten Stimmung trug die spätsommerliche Witterung bei, die es uns ermöglichte, unser Abendessen in einem Biergarten einzunehmen.

 

04.09. Wanderstart durch das Elbsandsteingebirge

Der Tag beginnt mit einem italienischen Frühstück der Extraklasse. Wir hatten beim Frühstück den Aufzug von Bad Schandau im frühen Sonnenschein vor Augen. Dort sehen wir unsere ersten 50, ungewohnt bequemen Höhenmeter. Kurz nach 9h starten wir und stehen bald auf der Plattform der unter Denkmalschutz stehenden Konstruktion und schauen hinab nach Bad Schandau und auf unsere Unterkunft, von der Karl heraufwinkt. Jetzt geht es hinein in das Wandervergnügen, zuerst durch den Ortsteil Ostrau mit den ersten schönen Umgebindehäuser. Unser erster „Weganker“ ist ein Einstiegspunkt zum „Malerweg“. Ich habe mein GPS eingestellt, und immer dann, wenn wir abbiegen müssen, erhalten wir ein Piepsignal (nur dann, wenn ich einen so genannten Wegpunkt bei der Planung gesetzt hatte!). Bald merke ich, dass es ein völlig entspanntes Wandern, ohne ständig auf die Karte schauen zu müssen, sein kann –sofern die Eingaben stimmen und man sich somit auf das Gerät verlassen kann. Dieser erste Tag entwickelt sich zu einem der schönsten Tage unserer Tour. Zum einen ist das Wetter so, wie es nicht besser zum Laufen sein kann und zum anderen befinden wir uns mitten in einer der schönsten, auf jeden Fall einzigartigsten Landschaften Deutschlands, wenn nicht Europas.

 

Nach der Schrammsteinbaude erreichen wir den Malerweg, kommen zum Schrammsteintor, besteigen die Schrammsteinaussicht und haben einen erhabenen Blick über die Felsen und weit hinaus in die wunderschöne Landschaft. Es geht wieder hinab und hinauf über den Reitsteig, zum Försterloch bis zum Zeughaus. Unsere Mittagsrast hatten wir unterwegs auf einem der vielen Felsen gemacht. Hier im Lokal Zeughaus ist noch Zeit für einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Danach nochmals zwei heftige Anstiege auf schmalen Pfaden. Oben erwartet uns die Überraschung. Karl hat es wahr gemacht und ist uns bis hierher entgegen gekommen. Wir gehen noch hinüber zu einem Aussichtspunkt und sehen von dort bereits im Norden, weit in der Ferne, den Ungerturm auf dem Ungerberg – unser Ziel am nächsten Tag. Karl führt uns zum „Wanderstübel“, unsere heutige Übernachtungsstätte in Hinterhermsdorf.

 

05.09. Nordwärts, entlang der Tschechischen Grenze

Der für den frühen Morgen geplante Abstecher, gemeinsam mit Karl, zur Oberen Schleuse der Kirnitzsch fiel wegen schlechtem Wetter aus. Stattdessen haben wir uns zum Beginn des Tages noch ein wenig im Ort umgesehen. In Hinterhermsdorf gibt es noch viele alte Umgebindehäuser mit schönen Bauerngärten. Es ist ein kleiner, sehr ruhiger Ort in dem vom Rummel an der Elbe nichts mehr zu spüren ist. Der Regen hat inzwischen nachgelassen, so dass wir zur Niedermühle im Kirnitzschtal aufbrechen. Hier stoßen wir erstmals auf die Tschechische Grenze. Bald verlassen wir die Kirnitzsch (sie mäandert nun über die Grenze) und folgen einem Pfad nordwärts immer entlang des Weißbaches. Es ist kein Problem, mal einen Fuß auf die andere Seite zu setzen. Die deutschen und tschechischen Grenzsteine wechseln sich ab. Dieser Weg ist zwar nicht der direkte, aber dafür absolut idyllisch und wenig begangen. In dem Gasthaus Schäferräumicht ist deswegen die Gaststube nur am Wochenende für den Gast geöffnet. Somit ziehen wir ein Stück weiter und finden glücklicherweise eine Schutzhütte, in der wir unsere Brotzeit essen. Währenddessen zieht draußen ein Regenschauer vorbei. Jetzt befinden wir uns auf dem Fernwanderweg der von Zittau bis nach Wernigerode führt *). Dieses Teilstück ist nach Dr. Alfred-Meiche (Weg) benannt.

 

Beim Gasthaus Waldhaus an einer Straßenkreuzung erwischt uns eine heftige Regenfront. Wir streben dem Gasthaus/Pension entgegen und müssen feststellen, dass mindestens seit einem Jahr hier gar nichts mehr geht. Unschlüssig pendeln unsere Gedanken zwischen > nehmen wir den nächsten Bus (Wartezeit 45 Minuten), > rufen wir Karl an (Wartezeit, mind. 30 Minuten) oder > sollen wir trotz Dauerregen weiter gehen? Die Entscheidung weiter zu gehen, ist uns deswegen so schwer gefallen, da wir uns nun auf einer hohen Ebene, zwischen Erzgebirge und Oberlausitz, befinden. Der vor uns liegende Abschnitt heißt nicht umsonst „Panoramaweg“ – kein Baum und kein Strauch oder Fels, der uns vor Wind und Regen schützen wird. Vielmehr geht es durch weite Felder und Wiesen. Bei schönem Wetter offenbaren sich hier vermutlich die schönsten Ausblicke auf die Graniterhebungen und -felsen der Sächsischen Schweiz: Rosenberg, Großer Winterberg, Affensteine, Schrammsteine usw. Dieses Teilstück gehört zum alten Handelsweg „Alte Hohe Straße“ der von der Böhmischen Grenze herüber kommt und zwischen ihr und Lichtenhain unter Schutz gestellt ist. So ist dieser Weg, der seit uralten Zeiten dem Handel und Verkehr diente, in seiner Ursprünglichkeit erhalten geblieben. Am Wegesrand finden wir einen Grenzstein aus alter Zeit mit der Aufschrift „VERBOTENER WEG“. Leider kam dieser Hinweis für uns zu spät; denn die Strafe hatten wir mit dem „Sauwetter“ offenbar bekommen. Klar, dass wir das mit der schönen Aussicht auf ein anderes Mal verschieben mussten.

 

In Amtshainersdorf (westlich von Sebnitz) reicht es meinen beiden Damen dann endgültig. Ein kleines Hotel mit Restauration eignet sich für sie bestens, um auf Karl zu warten. Mich selbst hat der Ehrgeiz gepackt. Einerseits war ich sowieso schon klatschnass, hatte noch ausreichend Kondition und keine Lust, mit nassen Klamotten – wenn auch in der warmen Stube- zu hocken und zu warten. Also habe ich mich für die restlichen 5 km alleine auf den Weg zum Ungerberg und dem Ungerturm aufgemacht. Das letzte Stück hinauf war noch einmal sehr schön, allerdings eine Herausforderung, da am Ende knappe 30 Tageskilometer hinter mir lagen. Gerade hatte ich mir mein Belohnungsbier bestellt, da trafen meine Mitwanderinnen und Karl ebenfalls ein.

Der Ungerturm bot uns ansprechende Zimmer und ein sehr gutes leckeres Essen zum Abend. Draußen klatschte es an die Scheiben und der Wind blies die ersten Blätter von den Bäumen.

*) Der Hauptwanderweg Zittau-Wernigerode ist ca. 946 km lang; 526 km führen durch Sachsen – vom Vogtländischen kommend, durchs Erzgebirge (von Klingenthal bis Altenberg, 218 km, identisch mit dem „Blauen Kammweg", von dort in die Sächsische Schweiz über Neukirch und von dort über das Oberlausitzer Bergland (Oberlausitzer Bergweg 118 km) bis ins Zittauer Gebirge.

 

06.09. Auf geht es, zum Oberlausitzer Bergweg

Am Morgen wieder ein ganz anderes Bild. Es hat sich stark abgekühlt, sich ausgeregnet und die Sonne zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Vom Ungerberg sind wir nach Rugiswalde abgestiegen. Nun kam erneut meine GPS-Planung zum Einsatz. Natürlich war ich bestrebt, möglichst unbefestigte Wege und schon gar keine asphaltierten Wege zu gehen. Das gelingt nicht immer, aber öfters, wenn man auch mal einen kleinen Umweg oder ein kleines Abenteuer in Kauf nimmt. So geht es am heutigen Vormittag viel über unmarkierte Wege und Pfade. In einem Wäldchen und auf einer großen Wiese gibt es dann plötzlich überhaupt keinen Weg mehr. Zielstrebig gehen wir meiner GPS-Aufzeichnung nach und ich bin mir sicher, dass wir unser Ziel finden werden. Ich spüre förmlich die Fragezeichen auf der Stirn von Ingrid und Gabi: „Wo will er denn jetzt mit uns hin – weiß er, was er da tut“? Gesagt haben sie nichts, aber erstaunt waren sie dann doch, als wir genau dort heraus kamen, wo wir hin wollten. Durch diese Wegführung gelang es uns, den Ort Neustadt westlich liegen zu lassen.

Auf dem Valtenberg ist der offizielle Beginn des Oberlausitzer Bergweges. Bis zu diesem Einstieg zu laufen würde für uns einen Umweg von gut 4 km bedeuten – und das teilweise über befestigte Forstwege. Bei unserer Mittagsrast im Biergarten der Hohwaldschänke entscheiden wir uns für einen Weg ohne Straßenbelag. Es ist hierbei ebenfalls eine kleine Schleife zu gehen und weil unmarkiert und unbegangen müssen wir das GPS zur Hilfe nehmen. So gelangen wir zur Orthopädischen Klinik Hohwald, die unmittelbar an der Tschechischen Grenze liegt, gehen über deren Hof, auf der anderen Seite wieder in tiefen dichten Wald und freuen uns eine halbe Stunde später wieder „Land in Sicht“ zu haben. Land in Sicht bedeutet: Wir haben nun den Oberlausitzer Bergweg erreicht. Auch wenn unsere Freude darüber groß ist, so bleiben wir nicht lange auf ihm. Wir schlagen uns zur Vermeidung von zwei Ortschaftsdurchwanderungen sozusagen rechts in die Büsche und folgen bald einem Grenzweg entlang der Deutsch-Tschechischen Grenze. Ein einmaliges Erlebnis. Wir sind mal hier und mal dort, immer entlang und zwischen den Grenzsteinen. Auf schmalem Pfad geht es immer rauf und runter, denn Grenzen machen keinen Halt vor Bergen und Tälern. Es ist schön zu laufen, da der Waldboden sehr weich ist. Völlig alleine sind wir seit Stunden unterwegs. Erst oberhalb vom Skizentrum von Sohland sind wieder vereinzelt Menschen unterwegs. Aber von hier ist es nur ein Katzensprung zur Prinz-Friedrich-August-Baude. Eine Besteigung des Turms ist Pflicht. Danach trinken wir das obligatorische Ankunftsbier und dann springen wir unter die wohltuende Dusche. Nachdem eine kleine Gesellschaft ihr Abendbrot eingenommen hatte waren wir wieder einmal für uns alleine. Wir liegen in unseren Betten und hören die Regentropfen ans Fenster klopfen.

 

07.09. Bis nach Eibau – mal schauen, ob wir das schaffen

Diese Etappe wäre mit 41 km knapp ein Marathon. Das hatte ich dieses Jahr schon einmal und wollte ich uns nicht antun. Warum also nicht den super Service von Karl in Anspruch nehmen und uns schon einmal am Morgen die ersten sechs km Stadtstraße durch Sohland ersparen. Somit war unser Startpunkt bei Nieselregen der Parkplatz am Stausee von Sohland. Bereits nach 15 Minuten hatten wir die komplette Regenmontur an. Der Niesel war in kräftigen Regen mit Gegenwind übergegangen. Erträglicher wurde es erst, als wir hinter dem Weiler Ellersdorf in den Wald eingetaucht sind. Ziemlich direkt ging es hinauf zu den Kälbersteinen. Ingrid und Gabi haben sich die letzten paar Steinstufen hinauf gespart. Es hatte sich nicht gelohnt, da die Aussicht mit Wolken verhangen war. Ausserdem waren die Steine so glitschig, dass ich etwas schneller wieder unten war, als ich geplant hatte – ist noch mal gut gegangen-. Von hier ging es überwiegend auf der Höhe, mit kleinem Auf und Ab bis zur Bieleboher Höhe mit Aussichtsturm und Hotel / Restaurant. Dieses machte einen sehr schönen Eindruck. Jedoch war es für uns zu früh, um hier einzukehren.

Nach dem Abstieg nach Beiersdorf verließen wir unseren offiziellen Weg, der mit einer Schleife über Neusalza-Spremberg weiter gewesen wäre, als die von mir ausgewählte eigene Variante.

Endlich wurden die Regenschauer weniger. Nach und nach riss der Himmel auf und ein tolles Himmelspanorama mit blauem Himmel und weißgrauen Wolken begleitete uns. Wir hatten Glück und fanden bei dieser herrlichen Stimmung eine etwas in die Jahre gekommene Bank für unser Mittagspicknick.

Wen wundert es. Wir sind dann auch bald wieder auf den Oberlausitzer getroffen. Ganz zielstrebig folgen wir der Markierung. So nach etwa fünf Minuten sagte mir ein Gefühl, dass da etwas nicht stimmen kann. Ein Blick auf das Navi zeigte uns, dass wir an dem Abzweig genau die falsche Richtung des Weges genommen hatten. Den kleinen Umweg konnten wir verschmerzen. Nun aber nichts wie hin, zum 583 m hohen Kottmargipfel mit seinem Aussichtsturm. Der 1881 erbaute Turm soll uns eine Aussicht bis hin zum Zittauer Gebirge (unser Ziel!!!) bieten. Da das Wetter sich, bis auf die Temperaturen, gemausert hatte, sollten die Chancen gut sein. Aber, es kam anders. Als wir nach einem letzten heftigen Anstieg endlich oben waren, sahen wir mit Enttäuschung, dass der Turm verschlossen war. Das war nicht unsere einzige Enttäuschung. Wir hatten fest damit gerechnet, dass das hier befindliche Ausflugslokal uns mit frisch gebackenen Waffeln und leckerem heißen Kaffee empfängt. „Pustekuchen“. Der Pleitegeier hing sozusagen an der Tür. Nichts ging mehr, und das wohl schon eine ganze Weile. Was tun? Wir wollten hier den Wandertag gemütlich ausklingen und uns von Karl abholen lassen. Sollen wir nun die letzten 5 km abwärts in den Ort laufen? Eine kurze Abstimmung ergab ein klares Ja für die Abholung durch Karl. Dank Mobiltelefon war Karl schnell informiert. Der geplante Besuch einer der drei hier auf dem Kottmar entspringenden Spreequellen fiel mangels Lust aus.

Mit unserer Unterkunft hatten wir wiederum eine gute Wahl getroffen. Beim gemütlichen Abendbrot beschloss Ingrid, den nächsten Tag gemeinsam mit Karl zu verbringen und somit eine Wanderpause einzulegen.

 

08.09. Zum Zittauer Gebirge

Den Start hatten Gabi und ich so lange hinausgezögert, wie es ging. Doch leider hörte es nicht auf zu regnen. Mit aufgespanntem Regenschirm marschierten wir erst einmal durch Eibau. Bei einem Optiker habe ich mir dann eine neue Lesebrille gekauft. Am Tag zuvor hatte ich meine alte, auf mir unbekannte Weise, dem Waldgott geopfert. Jetzt war ich wieder bestens präpariert und konnte das kleine Display meines GPS-Gerätes wieder gut erkennen.

An den ehemaligen Bleichteichen, den „Sorge Teichen“, die jetzt den Anglern für ihr Hobby dienen, vorbei, gingen wir vorerst auf unserem offiziellem Weg. Bald darauf schlugen wir uns nach links, so vermieden wir den Asphalt, ins Gebüsch. Ein Trampelpfad führte uns am „Schwarzen Teich“ vorbei. Wir wanderten von dieser Idylle auf Feldwegen in freiem Gelände - zum Glück hat es inzwischen aufgehört zu regnen – nach Spitzkunnersdorf hinunter. Die Nikolaikirche hatte schon von weitem auf uns gewirkt. Nun, nachdem uns eine freundliche ältere Frau die Tür geöffnet hatte, sind wir von dieser besonderen Schönheit gefesselt. Riesige Kronleuchter aus böhmischem Kristall von 1810 leuchten uns entgegen. Daneben ist die 1712-1725 erbaute Barocke Wandpfeilerkirche mit einem wertvollen Hochaltar, einer Herrschaftsloge und Kanzel ausgestattet. Ohne dass wir vorher davon wussten, hatte sich dieser Abstecher gelohnt. Über Wald- und Feldwege wanderten wir zum Großschönauer Hutberg (371 m). Von hier aus hat man eine gute Aussicht auf Großschönau und die dahinter liegende Lausche, dem höchsten Berg der Oberlausitz. Die Lausche ragt aus dem gegenüber liegenden Bergkamm heraus und markiert in etwa unser heutiges Tagesziel.

In Großschönau mit Oberlausitzer Umgebindehäusern in sehenswerter Ortslage, war eine Mittagsrast geplant. Die Suche nach einem geöffneten Lokal erwies sich etwas schwierig. Selbst die Bewohner kannten sich diesbezüglich nicht besonders aus. Dafür war das zünftige Essen in einem alten Umgebindehaus ausgesprochen schmackhaft. Der Weiterweg durch den Ort führt nett durch einen Park und an einem Bach entlang. Bei dem Weiler „Herrenwalde“ endet das Tal. Hier begann für uns der Aufstieg zum Weberberg und der Einstieg durch das Zittauer Gebirge. Wir wurden mit einem heftigen Schauer begrüßt. Auf der Höhe angekommen läuft der Weg immer auf dem Kamm und der Tschechischen Grenze entlang. Beim Abzweig zum Lausche-Gipfel (793 m) befanden wir uns mit 700 m auf dem vorläufig höchsten Punkt unserer Weitwanderwoche. Wir steigen von hier ab und erreichen bald die „Wache“, den Waltersdorfer Pass mit touristischem Grenzübergang. Wir gehen nicht nach rechts über die Grenze, sondern nach links hinunter und stehen nach etwa 8 Minuten vor der Sonnebergbaude. 27 Wanderkilometer und 1.300 Hm bei feuchter Witterung, hatten dafür gesorgt, dass wir an diesem Tag das warme Zimmer und die heiße Dusche ganz besonders genossen.

 

Der gemütliche Abend mit Ingrid und Karl, bei leckerem Essen und Getränken in der Bauden-Stube, fand wie immer Ausklang mit der Planung der nächsten Tagesetappe.

 

08.09. Nach und rund um Bad Oybin herum

Heute ist Ingrid wieder dabei, zumindest bis zur Mittagszeit. Zurück aufwärts Richtung „Wache“. Beim ersten Abzweig links, zwischen zwei bebauten Grundstücken hindurch, zeigt mir meine elektronische Karte, dass es dort einen Pfad hinauf in den Wald geben müsste. Erst als wir 30 m gegangen sind, erkennen wir tatsächlich deutlich den Wegverlauf – und schon sind wir wieder weg vom Asphalt. Auf der Höhe verläuft der Oberlausitzer Bergweg nun recht breit Richtung Osten auf den Kurort Jonsdorf zu. Es gibt die von uns genutzte Möglichkeit entlang der Grenze zu Tschechien zu wandern. Hier vertrauten wir uns wieder voll der bereits zu Hause vorgenommen Eingabe des Wegverlaufes am Computer an. Es fehlte zwischenzeitlich der gewählte Pfad vollkommen. So konnten wir uns mit dem GPS auch weglos orientieren, bis wir wieder einen gut erkennbar breiteren Weg gefunden hatten. Oberhalb von Jonsdorf sind wir über einen sehr gut angelegten Naturlehrpfad durch das Gebiet der Mühlensteinbrüche gewandert. Durch den Abbau von Sandsteinen zur Gewinnung von Mühlensteinen, sowie durch Verwitterungsprozesse sind in einem ca. 35 ha großen Gebiet bizarre Felsgebilde entstanden.

So führt ein Wegabzweig durch eine enge in den Stein gehauene Schlucht und endet plötzlich vor einem riesigen Loch. Unglaublich, wenn man sich vorstellt, unter welchen schwierigen Bedingungen hier gearbeitet wurde. Unsere Bedingungen sind vergleichsweise gut. Dicke Regenwolken und ein frischer Wind begleiten uns jedoch. Oberhalb vom Kurort Oybin steigt Ingrid durch den Wald ab. Von hier sind es nur noch 20 Minuten bis zu unserer Unterkunft, wo Karl bereits auf sie wartet.

 

Auf der Höhe vor uns sehen wir schon den Hochwaldturm. Auf einem abseits der Straße verlaufenden Waldweg steigen wir die 200 m hinauf. Oben auf dem Turm zeigt mein Höhenmesser 769 m an. Dies ist der höchste von uns erreichte Punkt auf unserem Weg durch das Elbsandsteingebirge und die Oberlausitz. Wir spüren es an dem starken Wind, der uns hier oben durch die Haare pfeift. Die Aussicht ist leider durch die Bewölkung getrübt. Es ist Mittagszeit und die am Fuße des Turms befindliche Baude bietet eine gute Gelegenheit für eine Rast. Jetzt folgte ein Wegabschnitt mit vielen schönen Ausblicken von Felsen hinab auf den Ort Oybin mit Berg Oybin im Hintergrund. Um das zu sehen, lassen wir den Luftkurort Lückendorf (wird gerne für Übernachtungen auf diesem Wegabschnitt angelaufen) rechts liegen und wandern durch die Große Felsengasse, kommen an der Mönchskanzel vorbei und machen zum Scharfenstein einen Schwenk. Diesen herausragenden Felsen erklimmen wir natürlich, um auch von hier die Aussicht ins Tal zu genießen. Kurz vor uns war offenbar jemand hier oben und hat das Gipfelbuch erneuert. So kam es, dass mein Eintrag in diesem Buch der Erste war. Natürlich habe ich darauf hingewiesen, dass in den nächsten Tagen noch einige andere Wanderer der I.W.F. hierher kommen würden. Unser Weg führte uns nun direkt hinunter zum Bahnhof von Oybin. Dort stand die alte Dampflok, die noch regelmäßig zwischen Oybin und Zittau verkehrt, bereit, um mit Wasser gefüllt zu werden. Wir gehen ein Stück den Schienen entlang und biegen dann vom Oberlausitzer Bergweg ab, hinein in den Hausgrund. Nun folgt, so zu sagen von hinten, der Aufstieg zur Ruine des Klosters Oybin. Jetzt blickten wir von der anderen Seite auf den Ort und hinüber, dorthin, von wo wir gekommen waren. Weiter ging es auf Waldwegen nördlich um Oybin herum. Als wir aus dem Wald heraustraten, standen wir 50 m weiter, unmittelbar vor „Haus Hubertus“, unserem Hotel für die nächsten drei Nächte.

 

Bei einem Spaziergang zu viert erkundeten wir die Örtlichkeit und kehrten noch in einer der Gaststuben zum Abendbrot ein. An diesem Abend blickten wir bereits auf die sechs zurückliegenden Tage, an denen wir rd. 150 km gewandert waren, zurück. Es hat uns allen, wenn auch mit unterschiedlichen Aktivitäten, ausgesprochen gut gefallen. Endlich hatten wir mal wieder „Strecke„ gemacht. Morgen sollte mit dem Besuch von Zittau noch ein krönender Abschluss folgen.

 

09.09. Zittau, letzte Etappe

Um die Morgenstunden in der Stadt nutzen zu können, sind wir früh gemeinsam mit dem Auto nach Zittau gefahren. So konnten wir uns noch rechtzeitig für eine Stadtführung anmelden. Vorher blieb noch Zeit für den Besuch der Kirche „Zum Heiligen Kreuz“. Diese Kirche dient als Museum und beherbergt das „Große Zittauer Fastentuch von 1472“. Zittau liegt auf einer Höhe von 242 m und hat heute rd. 29.000 Einwohner. Es wurde bereits 1238 erstmals urkundlich erwähnt und hat noch heute viele historische Plätze zu besichtigen. Die Stadtführung begann auf dem Marktplatz, direkt vor dem nach Schinkels Plänen erbauten Rathaus. Ebenfalls nach dessen Plänen wurde die Johanneskirche erstellt. Wir kommen an dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Salzhaus vorbei und hatten Gelegenheit, uns die ehemalige Baugewerkeschule anzusehen. Die über 100 Jahre alte Blumenuhr (Bepflanzung je nach Jahreszeit) mit dem daneben befindlichen Glockenspiel aus 21 Meißner-Porzellan-Glocken ist ein netter Abschluss der Stadtführung.

Nach einem Mittagessen wird es Zeit, den letzten Abschnitt des Oberlausitzer Bergweges unter unsere Füße zu nehmen. Als Einstieg habe ich einen Waldabschnitt zwischen Zittau und Olbersdorf gewählt. Als einzige Gäste auf der Terrasse des Gasthauses Teufelsmühle genießen wir in der Nachmittagssonne unseren Kaffee, bevor wir die Talseite wechseln und über Robert- und Götzenstein zum Ameisenberg aufsteigen. Danach lassen wir es nur noch abwärts laufen, hinunter und durch Oybin zum Haus Hubertus. Dort werden wir von unseren Wanderfreunden der I.W.F. freudig empfangen. Diese haben noch eine schöne Wanderwoche vor sich. Wir haben sie hinter uns. Gemeinsam verbringen wir den Abend, und den nächsten Tag mit einer kleinen Rundwanderung auf einigen der vielen Wege um Oybin und der Mitgliederversammlung, bevor Montagfrüh Gabi und ich die Heimreise antreten.

 

Liste der Wanderung mit Orten, Entfernungen, Höhenmetern und Wanderzeiten.

Tag

 

 

So.

04.09.11

Tag 1

Strecke

 

 

Bad Schandau - Hinterhermsdorf

Aufzug Bad Schandau-Ostrau-Schrammsteinbaude-Malerweg-Schrammtor-Schrammsteinaussicht-Reitsteig-Försterloch- Zeughaus- Oberer Hirschwaldweg-Hinterhermsdorf

Höhenl.

 

 

120 / 360

Höhenm.

Aufwärts

 

800

50 Lift

km

Zeit

 

20

8 Std.


Mo.

05.09.11

Tag 2

Hinterhermsdorf - Ungerberg-

P Buchenparkhallen-Reißereck-Niedermühle-Weißbachtal-Schäferräumicht-Dr.Alfred-Meicheweg-Waldhaus-Alte Hohe Str. - Sturms-Weg-Goldgruben-Unger

360 / 540

780

29

9 Std.


Di.

06.09.11

Tag 3

Ungerberg - Sohland

Unger-Rugiswalde-Lindenweg-Laubigtweg-Meißner Steig-Oberlausitzer Berg-Weg-Baudenweg

540 / 460

520

26

9 Std.


Mi.

07.09.11

Tag 4

Sohland - Eibau

P Sohland Stausee-Bieleboh-Beiersdorf-Schöbach (nicht nach Neusalza-Sprembg.)-Sandweg wieder Oberlausitzer-Raumbusch-Kottmar

290 / 565

670

26

8 Std.


Do.

08.09.11

Tag 5

Eibau - Waltersdorf

Eibau-Großer Stein-Großer Stein-Großschönau-Kammweg-Lauscheweg-Waltersdorf

330 / 510

640

27

8 Std.


Fr.

09.09.11

Tag 6

Waltersdorf- Kurort Oybin

Waltersdf. Sonnebergklause-Felsenstein-Orgelweg-Kellerberg Carolinfelsen-Hochwald-Parkplatz Kammloch- Große Felsengasse-Mönchskanzel-Scharfenstein-Bhf.Oybin-Hausgrund-Kloster-Haus Hubertrus

510 /460

650

19

8 Std.


6 Tage

Strecke Bad-Schandau - Kurort Oybin

4060

147


Sa.

10.09.11

Tag 7

Ausflug mit PKW/Stadtrundgang in Zittau

Wanderung ab Olbersdorf-G.Flügelweg-Teufelsmühle-Robertfelsen-Götzenstein-Ameisenberg-Kurort Oybin-Kirche-Haus Hubertus

330 /460

350

9

3 Std.


So.

11.09.11

Tag 8


12.09.11

Heimreise



Tag Strecke Höhenlage Höhenmeter km
      Aufwärts Zeit
         
So. Bad Schandau - Hinterhermsdorf 120 / 360 800 20
04.09.2011 Aufzug Bad Schandau-Ostrau-Schrammstei-   50 Lift 8 Std.
Tag 1 baude-Malerweg-Schrammtor-Schramm-      
  steinaussicht-Reitsteig-Försterloch- Zeughaus-      
  Oberer Hirschwaldweg-Hinterhermsdorf      
         
Mo. Hinterhermsdorf - Ungerberg 360 / 540 780 29
05.09.2011 P Buchenparkhallen-Reißereck     9 Std.
Tag 2 Niedermühle-Weißbachtal-      
  Schäferräumicht-Dr.Alfred-Meicheweg-      
  Waldhaus-Alte Hohe Str. - Sturms-      
  Weg-Goldgruben-Unger      
         
Die. Ungerberg - Sohland 540 / 460 520 26
06.09.2011 Unger-Rugiswalde-Lindenweg-Laubigtweg-     9 Std.
Tag 3 Meißner Steig-Oberlausitzer Berg      
  Weg-Baudenweg      
         
Mi. Sohland - Eibau 290 / 565 670 26
07.09.2011 P Sohland Stausee-Bieleboh-Beiersdorf-Schö     8 Std.
Tag 4 bach (nicht nach Neusalza-Sprembg.)-Sandwe      
  g wieder Oberlausitzer-Raumbusch-Kottmar      
         
Do. Eibau - Waltersdorf 330 / 510 640 27
08.09.2011 Eibau-Großer Stein-Großer Stein-Großschö-     8 Std.
Tag 5 nau-Kammweg-Lauscheweg-Waltersdorf      
         
Fr. Waltersdorf- Kurort Oybin 510 / 460 650 19
09.09.2011 Waltersdf.Sonnebergklause-Felsenstein-Or-     8 Std.
Tag 6 gelweg-Kellerberg Carolinfelsen-Hochwald-      
  Parkplatz Kammloch- Große Felsengasse-      
  Mönchskanzel-Scharfenstein-Bhf.Oybin-Haus-      
  grund-Kloster-Haus Hubertrus      
         
6 Tage Strecke Bad-Schandau - Kurort Oybin   4.060 147
         
Sa.        
10.09.2011 Ausflug mit PKW/Stadtrundgang in Zittau      
Tag 7 Wanderung ab Olbersdorf-G.Flügelweg-Teu- 330 / 460 350 9
  felsmühle-Robertfelsen-Götzenstein-Ameisen-     3 Std.
  berg-Kurort Oybin-Kirche-Haus Hubertus      
         
So. Südlich um Oybin-Großer Wetterstein-Haus- 460 / 460 300 5
11.09.2011 grund-Klosterrundgang-Haus Hubertus     5 Std.
Tag 8        
         
12.09.2011 Heimreise      
       

 

Unterkünfte Wanderung vom Elbsandsteingebirge zur Oberlausitz im September 2011

 

Unterkünfte auf der Wanderung vom Elbsandsteingebirge zur Oberlausitz
Aufstellung Unterkünfte Zeitschrift.pdf
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