Auf dem Frankenweg von Bad Steben nach Harburg

von Berthold Kutschera

Nach der Publikation des Frankenweges in den Medien begeisterte mich die Vorstellung von Bad Blankenstein bzw. Bad Steben nach Harburg zu laufen. Auf den Start bei Blankenstein verzichtete ich, da diese Strecke mir von früheren Wanderungen sowieso bekannt war. Ich wanderte am Samstag den 31. März 07 von dem Kurort Bad Steben über Lichtenberg in das Höllental, so weit von Blankenstein ist das nicht weg. Hölle ein altes Wort, bedeutet so viel wie dunkle und feuchte Gegend. Das ist tatsächlich eine treffende Beschreibung für dieses Tal im Frankenwald, durch die die Selbitz fließt. Auf der weiteren Wanderung musste ich des öfteren über umgestürzte Bäume klettern oder gewisse Waldabschnitte weiträumig umgehen, da ein Weiterkommen auf der Originalroute nicht möglich war. Der Frühjahrssturm Kyrill war hierfür die Ursache. In den Fichtenmonokulturen des Frankenwaldes waren die Schäden, die der Sturm anrichtete, allgegenwärtig.

Über Naila, Culmitz und Schwarzenbach a. Wald gelangte ich zur Bischofsmühle, in der ich mich stärkte und meine veraltete Wanderkarte durch eine neue ersetzte. Am zweiten Tag meiner Wanderung erreichte ich abends Oberehesberg, einen auf einer Kuppe gelegenen kleinen Weiler. In Oberehesberg befindet sich eine kleine Wirtschaft. Sollte die Tür geschlossen sein, ruhig klingeln, denn die beiden rührigen, älteren Wirtsleute werden öffnen. Die Brotzeit, die ich einnahm, war sehr gut. Besonders schmeckten mir die dazugereichten, in einer würzigen Currymarinade mit anderen Kräutern gekochten, grünen Tomatenstückchen. Dies erfuhr ich allerdings erst hinterher. Auf die schelmische Frage des Wirts, was das meiner Meinung sei, was ich gerade esse, konnte ich keine treffende Antwort, ich tippte auf Gurken, geben. Beide Wirtsleute scheinen Workaholics zu sein, denn die Frau verschwand bald, um die ausgezogenen Krapfen herzustellen, die für die Osterfeiertage bzw. zum Austragen für die bevorstehenden Konfirmation- und Kommunionfeiern in den umliegenden Ortschaften benötigt wurden. Dafür wurde die Nacht durchgearbeitet. Ihr Mann meinte, er werde sich später zwei Stunden hinlegen, um dann um Mitternacht seiner Frau, bis in den Morgen, zur Seite zu stehen. Dies war offensichtlich ein Impuls für mich, nicht mehr zu lange in der Wirtsstube ausharren zu wollen!!!

Am nächsten Tag ging es über die Radspitze, schöner Aussichtsturm, weiter zur Markgräflichen Höhe (635 m). Auf den Abstecher zum Flößermuseum nach Unterrodach konnte ich verzichten, da das Museum montags geschlos- sen hat. Die Flößerei war im Frankenwald weit verbreitet. Die Baumstämme wurden bis nach Amsterdam getrieben. Die Stadt Amsterdam ist teilweise auf Holzpfählen aus dem Frankenwald erbaut. Als Flößer konnte man recht wenig verdienen, zudem war der Beruf sehr gefährlich.

Gegen 13.15 erreichte ich die Festung Rosenberg in Kronach. Die erste urkundliche Erwähnung Kronachs erfolgte 1003 als „Urbs Crana“. Die Festung Rosenberg wurde als nördlichstes Bollwerk des katholischen Erzbistums Bambergs zum protestantischen Sachsen zu einer der größten neuzeitlichen Festungsanlagen ausgebaut. Den Zweiten Weltkrieg überstand Kronach relativ unbeschadet, weshalb die Innenstadt in ihrer historischen Bausubstanz erhalten blieb. Einer ihrer bedeutendsten Söhne war der Renaissancemaler Lukas Cranach. Im Brauereidorf Weißenbrunn nahm ich das Abendessen ein. Um 21.30 schlug ich mein Biwak im Wald in der Nähe des Samelsteins auf.

Auf eine Besichtigung Kulmbachs am folgenden Tag, bekannt vom Burgensteig her, verzichtete ich. So lief ich über Gundersreuth und Zultenberg nach Görau, womit ich mich jetzt in der nördlichen Fränkischen Schweiz befand. Im 19. Jahrhundert bezeichnete man gerne Landschaften mit Flüssen, Tälern und Felsen als „Schweiz“. Am Ortsende von Görau kommt man bald in das Zillertal. Darin befindet sich die Gräfinnenhöhle, die mir als Quartier für die Nacht diente. Von hier war es am nächsten Tag nur noch eine knappe Stunde bis nach Weißmain. Nachdem die Temperaturen in der Nacht unter den Gefrier- punkt sanken, nahm ich gerne ein Frühstück in einem Cafe ein. Der heiße Tee ließ die „Betriebstemperatur“ wieder ansteigen, so dass es mir nicht schwer fiel, den Anstieg zum großen Kordigast (538 m) in Angriff zu nehmen. Ein Stück begleitete mich ein rüstiger Rentner, der sich darüber beklagte, dass viele Frühjahrsblumen, die in seiner Jugendzeit noch häufig vorhanden waren, immer seltener zu sehen wären oder ganz verschwunden sind. Er führte dies auf die zunehmende Umweltverschmutzung und die mit Pestiziden arbeitende Landwirtschaft zurück.

Ab dem Kordigast sind Frankenweg und Mainwanderweg bis zum Staffelberg (639 m) identisch. So kann man sich auf das M-Zeichen des Mainwanderwegs stets verlassen. Gegen 14.45 ereichte ich das einmal sehr bedeutende Zisterzienserkloster im Ort Klosterlangheim, dessen Grundstein am 1. August 1133 gelegt wurde. Vom ehemals großartigen Klosterkomplex, den Johann Leonhard Dientzenhofer erbaute, blieb nach dem Großbrand von 1802 nicht mehr viel übrig. Trotzdem lassen die wenigen erhaltenen Bauwerke die Größe des Klosters erahnen

Nach dem Verlassen des Ortes über eine Brücke mit barocken Heiligenfiguren steuert man den Wald an, in dem es bald steil berauf geht. Auf der Hochfläche des Rangen angekommen, sollte man unbedingt den kurzen Abstecher zur bedeutendsten Wallfahrtskirche Frankens, der Basilika Vierzehnheiligen, nehmen. Die Errichtung und Einsetzung der Wallfahrt geht auf den Klosterschäfer Hermann Leicht zurück, dem das Jesuskind und die vierzehn Nothelfer erschienen. Nachdem auf die Fürbitten der 14 Nothelfer eine wundersame Heilung an einer Frau erfolgte, setzte schnell die Wallfahrt zu diesem Ort ein. Im 18. Jahrhundert wurde die Basilika in ihrer heutigen Form erbaut.

Dafür waren der lutherische Hofbaumeister Krohne aus Weimar und Balthasar Neumann verantwortlich, die in dem Ränkespiel zwischen Abt Mösinger und dem Fürstbischof Karl Friedrich von Schönborn abwechselnd die bauliche Verantwortung übernahmen. So weist die Basilika durch die Emporen auch „lutherische“ Elemente auf. Am 16. September 1772 erfolgte die feierliche Einweihung der sehr opulent ausgestatteten Barock-Rokoko-Kirche. Nach Besichtigung der Kirche und einem kurzen Gebet für alle Weitwanderer, sollte man auch nicht auf die weltlichen Genüsse verzichten und der Klosterbrauerei einen Besuch abstatten, wobei ein mäßiger Genuss des Klosterbieres anzuraten ist, denn nach sechs Kilometern kommt schon die nächste Brauerei.

Nach geistiger und weltlicher Stärkung läuft man zur Hangkante zurück und auf dieser nach Westen zum Staffelberg. Der Staffelberg ist schon seit der Jungsteinzeit besiedelt. Auf seinem Plateau befand sich von 130 bis 30 v. Chr. das keltische Oppidum Menosgada, welches schon vom griechischen Geographen Ptolomäus erwähnt wurde. Nach der Zerstörung der Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg im Bauernkrieg wurde sie 1653 wieder aufgebaut. Heute ist sie weiterhin ein beliebtes Ausflugsziel. Wen der Durst nach dem Aufstieg plagt, kehrt beim Staffelbergwirt neben der Kapelle ein. Die Wallfahrt zur Adelgundiskapelle kam durch das Aufblühen der Vierzehnheiligenwallfahrt zum Erliegen. In der Adelgundiskapelle kann man, nach Einwurf einer Münze, die mechanisch bewegten Figuren des Heiligen Grabes aus der Barockzeit, die der praktisch veranlagte Eremit Jakob Heß 1751 schuf, in Bewegung setzen.

Vom Staffelberg geht es anschließend recht steil hinunter nach Loffeld. Im Bräustübel der Familienbrauerei Geldner-Wehrfritz heißt es nun unbedingt einzukehren und sich das dunkle Bier, einen fränkischen Braten oder eine Hausmacherbrotzeit munden zu lassen. Hinterher gibt es dann als Krönung noch einen heißen Bierlikör mit Sahnehaube.

Am Gründonnerstag war wieder einmal einer der seltenen Tage, in denen das Marschieren wie „geschmiert“ lief. Von Loffeld wanderte ich über Schesslitz zur Gügelkapelle. Bei einer Rast im Wirtshaus daneben nahm ich eine kleine Stärkung ein. Dazu gehörte ebenfalls ein „Gaggerla“, ein gekochtes Ei. In der Wirtsstube traf ich nochmals die drei Wanderer, die den Frankenweg in Tagesetappen ab- liefen. Sie fuhren immer mit zwei Autos los, das eine wurde am Zielort abgestellt, mit dem an- deren fuhr man anschließend zum Ende der letzten Tour zurück, um dann gemütlich, die im Wanderführer angegebene Strecke abzulaufen.

Über Laibarös in das trockene Leinleitertal, an der schönen Heroldsmühle vorbei, erreichte ich spät abends die Brauerei Ott in Oberleinleiter. Nach dem Abendessen fand ich mein Quartier in einer Halle in Burggrub. Das Quartier war nicht optimal, denn es zog unangenehm, so dass ich gegen früh, wegen starker Kopfschmerzen, nicht mehr schlafen konnte.

In Heiligenstadt besichtigte ich den schön gestalteten Osterbrunnen, bevor ich dann ca. eine Stunde später im Gasthaus Sponsel-Rebus in Veilbronn, es mir beim Frühstücksbuffet gut gehen ließ. Anschlie- ßend oder gerade deswegen verschwanden bald die Kopfschmerzen. Kurz nach dem Gasthaus Sponsel-Rebus geht es in das schöne Marthelbachtal hinein.

Ein Höhepunkt der Etappe ist normalerweise der Besuch der Binghöhle, eine der bekanntesten Tropfsteinhöhlen der Fränkischen Schweiz, in Streitberg. Diese Höhle wurde 1905 von dem Nürnberger Ignaz Bing entdeckt. Durch den künstlich gegrabenen zweiten Ausgang braucht man nicht mehr denselben Weg zurücklaufen. Leider war ich zu spät dran und konnte die Begehung der Höhle nicht mehr mit machen. Von Streitberg läuft man nun an der Hangkante zum Wiesenttal entlang, die Ruine Neideck grüßt von der anderen Seite, nach Muggendorf dem Etappenziel der heutigen Wanderung bzw. dem Ende vom ersten Teil meines Frankenwegs. In Muggendorf ließ ich den heutigen Tag kulinarisch bei einer Hubertuspfanne, Medaillons von Reh, Hirsch und Wildschwein, ausklingen, bevor ich zum letzten Mal mein Biwak im Wald aufbaute. Am Karsamstag wollte ich eigentlich mit dem Bus nach Forchheim zurückfahren, doch war die Verbindung dorthin so schlecht, dass ich es zum Bahnhof nur durch Trampen schaffte, um die Heimfahrt antreten zu können.

Am Wetter gab es auf dem ersten Abschnitt des Frankenwegs nichts auszusetzen, so dass ich natürlich hoffte, dass dies einige Wochen später, beim zweiten Abschnitt, ebenfalls sein werde.

Mein Bruder fuhr mich am Pfingstsamstag nach Muggendorf, zum Beginn des zweiten Teils, der mich bis nach Harburg führen sollte.

In Muggendorf lief ich durch den Ort steil zur Hangkante hinauf. Nach geraumer Zeit erreichte ich die 60 m lange Oswaldhöhle, eine Durchgangshöhle. Sie ist eine Höhle mit zwei Eingängen. Anschließend ging es im stetigen bergauf und bergab zum Quackenschloss, dem verfallenen Rest eines Höhlensystems. Ein Einheimischer, dem ich dort begegnete, erzählte, dass einmal Touristen, die an einem heißen Sommertag auf dem Weg dorthin waren, sich insgeheim schon darauf freuten, etwas zu trinken zu bekommen, aber bitter enttäuscht wurden, als kein Gasthaus beim Quackenschloss vorhanden war.

Weiter ging es zur Riesenburg. Der Name suggeriert, dass man jetzt eine Ritterburg oder eine Ruine vielleicht betreten würde, doch dem ist nicht so. Die Riesenburg ist eine große Einsturzhöhle. Über einen gesicherten Steig geht es steil hinunter ins Wiesenttal. Man überquert bald die Wiesent, ein Eldorado für Kanu- und Kajakfahrer. Der Weg führt jetzt an der Wiesent entlang bis zur Behringersmühle. Von dort sind es nur noch ca. 2,5 km bis zur Wallfahrtsbasilika zur Heiligsten Dreifaltigkeit nach Gößweinstein, dem bekanntesten Kirchenbau in der Fränkischen Schweiz. Die Pläne für den Bau stammten, wie so oft bei Kirchenbauten in Franken, von Balthasar Neumann. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Ausmalung der Kirche erst 1928 durch Professor Kolmsberger erfolgte. Er hielt sich weitgehend an die ursprünglich von Küchel angelegten Freskenmalereien. Dass die Kirche 200 Jahre lang nicht ausgemalt wurde, hing damit zusammen, dass das von den Künstlern in der damaligen Zeit geforderte Honorar den Bamberger Fürstbischöfen als zu hoch erschien.

Von Gößweinstein stieg ich dann ins Püttlachtal hinab, um nach Pottenstein zu gelangen. Pottenstein ist ein schöner fränkischer Ort, der am Zusammenfluss von Püttlach und dem Weihersbach liegt. Über der Stadt liegt die Burg Pottenstein, die der Heiligen Elisabeth von Thüringen als Zufluchtstätte diente, als nach dem Tod ihres Mannes, ihre Verwandten sie von der Wartburg verjagten. Pottenstein besitzt eine gute Gastronomie mit zwei Privatbrauereien. Vorbei an der Schüttermühle wanderte ich in das Klumpertal hinein, um dann nach der Mittermühle den Weg steil hinauf nach Kirchenbirkig zu laufen.

Im Gasthaus Bauernschmitt aß ich zu Abend. Der Schwei- nebraten mit Klos und Sauerkraut und den zwei dunklen Bieren schmeckte hervorragend. Im Fernsehraum konnte ich auch den historischen Sieg des fränkischen Traditions- clubs, des 1. FC Nürnberg, im DFB-Endspiel 2007 gegen den schon feststehenden Meister, VfB Stuttgart, miterle- ben. Der Club gewann 3:2. Dies war Balsam für die frän- kische Fußballerseele. Der einzige Franke im Gasthaus, der den Sieg nicht genoss, war der Kellner. Wie er mir ge- stand, war er VfB-Fan. Ich empfand allerdings kein Mitleid mit ihm.

Am Pfingstsonntag schälte ich mich recht früh aus meinem Schlafsack, so dass ich in meinem Fahrtenbuch vermerken konnte, Abmarsch um 6.35. Über Obertrubach, einem der ältesten Orte der Fränkischen Schweiz, kam ich bald zum Signalstein, stieg über die Eisenleitern auf den Gipfel und genoss die schöne Aussicht. Eine Gruppe Kletterer aus München wählte allerdings die schwierigere Variante durch die Felswand. Meine Bewunderung galt ihnen, wie sie sich leichtfüßig und griffsicher, natürlich abgesichert, durch die Felsenwand nach oben kämpften. Gegen 12.20 lief ich an Egloffstein vorbei ins Trubachtal und stärkte mich nachmittags mit einem dunklen, untergärigen Bier und einer Proseccotorte im Biergarten der Brauerei- gaststätte Hofmann in Hohenschwärz. Der Bedienung war, ihrem Mienenspiel zu entnehmen, die Kombination der Bestellung offensichtlich nicht ganz geheuer. Motorisierte Ausflügler, Radfahrer und Wanderer bevölkerten den Biergarten, ehe ein Schauer niederging und alles in die Wirtsstube flüchtete. Für die große Anzahl an Gästen waren sicherlich nicht nur das gute Bier, sondern auch die maßvollen Preise der schmackhaften Küche ausschlaggebend.

Die Klosterbrauerei in Weißenohe erreichte ich um 18.50. Mein Magen knurrte schon seit geraumer Zeit, so dass ich im Wirtshaus der Klosterbrauerei, die seit 150 Jahren im Familienbesitz der Familie Winkler ist, zu Abend aß. Die Küche bietet neben typischen fränkischen Spezialitäten, Wild aus heimischer Jagd, Karpfen und saisonale Gerichte mit wechselnder Wochenendkarte. Auf dem Bierdeckel der Brauerei steht, dass Bier seit 1100 in Weißenohe gebraut wird. Gut gestärkt verließ ich Weißenohe und machte mich auf in das Lillachtal. Das Lillachtal wartet mit einer Besonderheit auf, den Sinterterrassen. In einem Werbeprospekt wird die Entstehung der Sinterterrassen wie folgt beschrieben („Kohlendioxid aus der Luft löst sich im Regenwasser und wird zur Kohlensäure. Diese löst unterirdisch Kalkstein auf. Tritt das Kohlendioxid an Quellen zu Tage, kann Kohlendioxid entweichen, und der Kalk fällt in Form feinster Nadeln wieder aus. Diese Nadeln werden durch Algen, Moose und anderes Pflanzenmaterial zurückgehalten und bilden das neue Gestein: Kalktuff“). Um 22.35 übernachtete ich in einem Holzschuppen in der Nähe von Oberrüsselbach. Ich hatte Glück, trocken zu liegen, denn nachts fing es an zu regnen.

Schnaittach, der Berggasthof Rothenberg mit seiner Festungsruine und Hersbruck waren die wichtigsten Stationen am verregneten Pfingstmontag. Wer rechtzeitig Hersbruck erreicht, sollte unbedingt das deutsche Hirtenmuseum anschauen. Besonders heftig regnete es am Abend, eine trockene Stelle fand ich nicht, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als im Wald mein Biwak im Schein der Stirnlampe aufzubauen. Ich verzweifelte fast, denn die Leinen meiner Plane hatten sich verheddert und es dauerte eine Ewigkeit, bis ich sie fest zwischen den Bäumen spannen konnte.

Meine Pentax-Kamera gab am nächsten Morgen ihren Geist auf. Die Feuchtigkeit der beiden vergangenen Tage hatte ihr den Rest gegeben. Deshalb kaufte ich mir in Neu- markt, eine Reparatur meiner alten Kamera war nicht möglich, ein neue analoge Kamera von Fuji. Nach Besichtigung von Neumarkt und dem Vertrautmachen mit der neuen Kamera lief ich an diesem Tag noch bis nach Döllwang.

Sehr gut gefiel es mir im mittelalterlichen Städtchen Berching, das erstmals als „Pirihinga“ in einer Urkunde Kaiser Karls III. 883 erwähnt wurde. Nach der Besichtigung nahm ich eine Jause, Tellersulz mit Bratkartoffeln, im Brauereigasthof Winkler ein. Die Sonne schien, der Himmel war weißblau und die Stühle und Bänke vor den Gastronomien waren gut gefüllt. Abends ließ ich mir meine Wasserflasche an einem Bauernhaus auffüllen, bevor ich um 21.15 den Wandertag für heute beendete. Ich hatte keine Lust mehr zum Weiterlaufen.

Am Freitag musste ich wieder meinen Lebensmittelvorrat auffrischen, was ich in Thalmässing tat. Zwischen Thalmässing und Kaltenbuch durchquert man den über 2 ha großen Abschnittswall auf dem „Hort“, im Volksmund auch als „Hunnenschanze“ oder „Schwedenschanze“ bezeichnet. Eine genaue Datierung der Anlage ist zurzeit nicht möglich, da es noch keine Ausgrabungen gegeben hat. Gegen 18.30 ging in Kaltenbuch ein Wolkenbruch nieder. Nach einer halben Stunde Pause marschierte ich mit dem festen Vorsatz weiter, die Augen offen zu halten, um ein regensicheres Quartier für die Nacht zu haben. Eine Gerätehalle erwies sich bald gegen 19.50 als geeignete Bleibe. Am achten Tag meiner Wanderung erreichte ich Samstagsfrüh Weißenburg, das römische Biriciana. Die mittelfränkische Stadt ging aus einer wichtigen römischen Siedlung hervor. Zahlreiche Ausgrabungen aus römischer Zeit belegen deren ehemalige Bedeutung. Sehrempfehlenswert sind der Besuch der römischen Therme sowie das Römermuseum mit dem „Weißenburger Schatzfund“ aus dem Jahre 1979. Aber auch ein Bummel durch die mit stattlichen Häusern aus verschiedenen Epochen geschmückte Altstadt ist lohnenswert.

Wenn die Besichtigung Weißenburgs beendet ist, marschiert man zur 630 m hohen Wülzburg hinauf. Sie ist eine der bedeutendsten Festungen Deutschlands, die in der Renaissance erbaut wurde. Der Brunnen zur Wasser- versorgung musste 166 m tief gegraben werden. Im ersten Weltkrieg diente die Wülzburg als Ge- fangenenlager. Ein Schild an der Festungsmauer erinnert an die Gefangenschaft von Charles de Gaulle, dem ehemaligen späteren französischen Staatspräsidenten.

17.25 erreichte ich Graben. Hier sieht man noch die Reste der Fossa Carolina, dem Karlsgraben. 793 versuchte Karl der Große sein ehrgeiziges Projekt in die Tat umzusetzen und eine Schifffahrtsverbindung zwischen Rhein, Main und Donau herzustellen. Er wollte die beiden Flüsse Altmühl und Schwäbische Rezat durch einen 6 km langen Kanal verbinden. Doch leider waren die damaligen technischen Möglichkeiten noch nicht ausgereift, was letztendlich die Verwirklichung des Vorhabens scheitern ließ. In der Hüttinger Scheune in Graben kann man eine Ausstellung zum Bau des Karlsgrabens besichtigen. Anschließend war mein nächstes Ziel Wettelsheim. Von den drei mir empfohlenen Gasthäusern im Ort entschied ich mich, auf Anraten einer älteren Bäuerin, für das Gasthaus „Zum Hirschen“. Dort gäbe es das etwas rustikalere Essen, meinte sie, nachdem ihr Blick etwas länger auf meinem Rucksack verweilte. Zunächst löschte ich meinen Durst mit einem halben Liter Mineralwasser. Als Essen bestellte ich eine fränkische Hochzeitssuppe mit Leberklößchen, Nudeln und Schwemmerli. Nach dem Appetitanreger ging es mit Rindfleisch, Kren, Nudeln und Preiselbeeren weiter. Die Bedienung wollte noch wissen, ob ich auch noch ein Dessert vertragen könne, doch das lehnte ich dankenswerter Weise ab. Mein Dessert bestand aus zwei süffigen Märzenbieren aus der hiesigen Brauerei, die auf eine über 200 Jahre alte Brautradition zurückblicken kann. Nach Bezahlung der preiswerten Zeche von 14,50€ und dem Schultern des plötzlich vermeintlich schwerer gewordenen Rucksacks wackelte ich leicht aus der Kneipe hinaus Richtung Rohrachtal, indem ich in der Nähe der Untermühle die Nacht verbrachte.

Am Sonntag schaffte ich es wieder rechtzeitig aufzustehen und setzte daher meinen Marsch um 6.30 auf dem Frankenweg fort. Über Windischhausen und dem ehemaligen Steinbruch Schönbühl gelangte ich zur Steinernen Rinne, einem eindruckvollen Naturdenkmal, bei Wolfsbronn. Ein Schild weist eindringlich darauf hin, die Steinerne Rinne nicht zu betreten. Weiter heißt es, sei sie ein eigenartiges Naturdenkmal. Der Kalk des Juraquellwassers hat einen 120 m langen, bis zu 1,50 m hohen Damm aufgebaut, auf dem das Wasser des Baches zu Tale fließt. Schloss und Ort Spielberg, am Rande des Hahnenkamms gelegen, erreichte ich gegen 14.30. Es war heute ein sonniger und warmer Tag. Der Ausblick in die fränkische Landschaft war grandios. Im Schlosshof bestaunte ich die Skulpturen des Schlosseigentümers und Künstlers Ernst Steinackers. Dieser vermutete, als er mich sah, dass ich auf dem Jakobsweg marschieren würde. In einem Gespräch mit ihm erfuhr ich, dass er das ganze Schloss in Eigenregie renovierte.

Eine dreiviertel Stunde später, die Wasserflasche war wieder gefüllt, wanderte ich über Hohentrüdingen nach Hechlingen am See. Im dortigen Gasthaus bzw. Hotel Forellenhof stärkte ich mich mit einer guten Maultaschensuppe, Lendchen mit Spätzlen und verschiedenem Gemüse. Nachdem das Laufen vor der Einkehr eine große Plage war, fiel es mir danach leicht, noch eine gute Stunde in die Dunkelheit hineinzulaufen. Der Spruch meines Onkels „Vor dem Essen hängt’s Maul, nach dem Essen ist man faul!“ schien diesmal keine Gültigkeit zu haben.

Am vorletzten Tag, vor dem Ziel Harburg, besuchte ich die spätbarocke Wallfahrtskirche Maria Bründlein, die etwas außerhalb von Wemding, einem schönen schwäbischen Ort, auf einem Hügel steht. Kurz bevor ich zur Kirche kam, musste ich noch eine Schrecksekunde ausstehen, denn ich trat auf der Wiese in ein Loch und knickte um. Aber Gott sei Dank gab es keine Verletzung. Die Wallfahrtskirche planten und erbauten Dominikus und Johann Baptist Zimmermann. In der Kirche beobachtete ich, dass viele Besucher, in der Hoffnung von irgendwelchen Gebrechen geheilt zu werden, einen Schluck aus dem Gnadenbrünnlein nahmen. Auf dem Marktplatz von Wemding mit den schönen Bürgerhäusern verweilte ich etwas länger, kaufte mir eine Brotzeit in der Metzgerei und schaute interessiert dem Treiben zu. Es ging auf das Ende der Tour zu, das Marschieren fiel mir zunehmend schwerer, ein Phänomen, das mir schon bei zahlreichen Unternehmungen auffiel. Über Gosheim gelangte ich abends nach Ronheim, dort nahm ich auch mein letztes Abendessen ein, bevor ich im Wald unterhalb der Harburg mein Lager aufschlug.

Dienstags besichtigte ich noch kurz Harburg sowie den Innenhof der Burg, bevor ich um 9.30, erleichtert, dass alles gut ging, mit dem Zug nach Hause fuhr.

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