Weitwanderung von Dänemark nach Italien

auf dem Europäischen Fernwanderweg Nr. 1

Ein Bericht von Wolfgang Post

Der Winter schien zu Ende und die Vögel zwitscherten in der Frühe so emsig, dass ich mich freute, den alten Felltornister – meinen liebgewordenen Affen – packen zu können um wieder auf Wanderschaft zu gehen. Wie die Wandervögel wollte ich unterwegs sein und ich hatte mir als Reiseziel die Heimat ausgesucht, denn ich hegte schon lange den Wunsch durch mein liebes Vaterland zu wandern.

Von Nord nach Süd führt der Deutschlandwanderweg von Flensburg nach Konstanz. Heute ist dieser Weg identisch mit dem „Europäischen Fernwanderweg E 1“ und so hatte ich mir eine Bahnfahrkarte von Herborn bis nach Viborg in Dänemark besorgt.

Am Mittwoch, den 7. März 2012 war es soweit:  um 6:33 Uhr fuhr der Zug vom Bahnhof in Herborn ab. Im Dunklen (19:41 Uhr) erreichte ich das verregnete  Viborg und freute mich über das reservierte Bett in der dortigen JH/Vandrerhjem.

Ab dem 8. März begann ich meine Winterwanderung ab Viborg; denn der Winter hatte sich zurückgemeldet. Durch Dänemark führt ein gut markierter Wanderweg, der Heerweg – auch Ochsenweg genannt. Auf diesem Weg gingen Ochsentreiber mit ihren Tieren, Pilger aber auch Armeen. Sonnenstrahlen ließen Gott sei dank den Schnee schmelzen und die ersten Schneeglöckchen verrieten mir besseres Wanderwetter.

Nun liebes, leichtes Ränzel, baumle

am Rücken wieder hin und her,

und du, beschwingte Sehnsucht, taumle

hinaus, ins grüne Freudenmeer!

Kristallner See, Smaragd der Wiese,

am schönen Tag so oft erprobt,

wer ist’s, der euch genugsam priese?

Ich nenn’ euch, und ihr seid gelobt.

 

Durch die dünn besiedelte Landschaft in Jütland wanderte ich in den nächsten Tagen von Viborg über Haldsee - Knudstrup – Bollingsee – Schutzhütte am Torupsee – Norre Snede – Oster Nykirke – JH Givskud – Jelling – Vingsted – Pilgerherberge Olgard bei Randbol – Baekke – Vejen – Herberge Kongeaen - Hels – Herberge Ellegard bei Stursbol – Vojens – Torning-Mühle – Herberge Immervad – Oster Logum – Rodekro – Thingstätte – Herberge Lindely bei Kiplev - Gejla Brücke – Padberg – Deutsch-dänische Grenze – Kupfermühle - JH Flensburg (gesamt 307 km).

 

Ab Flensburg gab es keine Sprachschwierigkeiten mehr und ich freute mich auf ein Hinweisschild an einem Baum über den Deutschlandweg von Flensburg über Konstanz – St. Gotthard bis nach Genua ans Mittelmeer.

 

Am 17. März ging es in Deutschland über Oeversee – Sieverstedt – Schleswig - Wikingersiedlung Haithabu – Brekendorf – Bismarckdenkmal am Aschberg – Windebyer Noor - Eckernförde - Steilküstenwanderweg nach Dänisch-Niendorf - Stohl - Büker Leuchtturm – Nord-Ostsee-Kanal - Kiel – Wellingdorf – Schwentinetal – Preetz - Plön - Malente - Eutin in die Holsteinische Schweiz, die ihrem Namen gerecht wurde.

 

Vom dauernden Wandern schmerzte der linke Fuß und ich machte Rast in der freundlichen JH in Malente und erfreute mich an der Seenplatte. Von meinem Fenster blickte ich auf den Kellersee, wo unweit ein Hase und Gänse friedlich bei der Nahrungsaufnahme hockten. Ob es sich hierbei um den Osterhasen handelte, konnte ich nicht erfahren. Tatsache war, daß die Natur erwachte und die ersten Frühlingsboten mit ihren Knospen und Blüten sichtbar wurden. Mehr und mehr Lebewesen erschienen, hatte ich doch schon zuvor meine rechte Freude an dem Rehwild, Hasen, Fasanen, Rebhühnern und an all dem Flugwild, was ich von meiner Heimat nicht gewohnt war.

Über den Bungsberg - mit 168 m die höchste Erhebung in Norddeutschland – Schönwalde – Gut Sierhagen - Neustadt - Scharbeutz – JH Uhlenflucht - Bismarcksäule in Großparin – Bad Schwartau - Lübeck.

 

Das altehrwürdige Holstentor grüßte in Lübeck und vom Wandern müde, genoss ich die Segnungen des Cafehauses „Marzipanspeicher“ mit leckeren …. ?

 

Längs der Stadt Lübeck marschierte ich am Ufer der Wakenitz – Klein Grönau – Krummesse – Elbe-Lübeck-Kanal bis Berkenthin - Buchholz - Ratzeburg im Herzogtum Lauenburg – Eulenspiegelstadt Mölln.

 

Belustigend waren all die derben Geschichten und Streiche von Till Eulenspiegel, der im Mittelalter u.a. hier wohnte und im Pestjahr 1350 verstarb. Till ergriff für niemanden Partei; jeder musste sich aber von ihm den Spiegel der Selbsterkenntnis vorhalten lassen. Sehr wohl fühlte ich mich in der dortigen JH, die entsprechend eingerichtet war. Gemütlich konnte ich hier am Ofen sitzen.

 

Güster – Gut Wotersen – Buschberghof in Fuhlenhagen - Kuddewörde –

Billtal – Aumühle – Reinbek - St. Pauli Landungsbrücken - JH in Hamburg (gesamt 444 km)

 

Bei Schnee und Eis erreichte ich Hamburg und war froh, die Beine ausstrecken zu können. JH waren nicht immer vorhanden und ich hatte so manche Nacht privat verbringen können. Die Leute waren stets hilfsbereit nachdem sie erfuhren, dass ich auf Wanderschaft durch Deutschland bin. Leider gibt es nicht in allen Dörfern Lebensmittelgeschäfte und so fragte ich privat danach; die Wasserflasche bekam ich immer bereitwillig gefüllt. Und manchesmal gab es eine private Übernachtungsmöglichkeit!

 

Von den Landungsbrücken wanderte ich am Elbufer entlang bis nach Blankenese, setzte mit der Fähre nach Cranz über - Fischbek – Karlstein - Waldschänke Rosengarten - Buchholz - Lüneburger Heide - Brunsberg – Handeloh - JH Inzmühlen.

 

Über Ostern blieb ich gerne einige Tage in Inzmühlen und erlebte die Osterfeuer. Warum sagt man eigentlich Ostern? Das Frühlingsfest bei unseren Vorfahren, den Germanen, wurde zu Ehren der Fruchtbarkeitsgöttin „Ostara“ gefeiert. Mit diesem Fest begrüßten die Germanen am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond die Sonne, die Juden feiern das Passahfest und die Christen der Auferstehung Jesus.

Im Regen kam ich über Undeloh auf den Wilseder Berg – bestaunte die Heidschnuckenschafe und konnte wie früher in einer Scheune bei Behringen im Stroh schlafen.

 

Erde ist die Lagerstätt,

Stroh und Mantelsack das Bett,

deckt euch zu und hüllt euch ein,

sonst friert ihr zu Stein und Bein!

Gute Nacht! Gute Nacht!

Mond und Stern am Himmel, wacht!

Schlaft wohl ein, schlaft wohl ein,

bis zum ersten Morgenschein!

 

 

Bispingen - Heide-Kastell Iserhatsche - Soltau - Dreweshof in Tetendorf –

Wietzendorf – Löns-Denkstein - Müden - Hermannsburg – Fuhrmannsschänke – Celle – JH Klein-Hehlen.

 

Rixförde – Wennebostel - Otternhagen – Bordenau - Steinhude am Steinhuder Meer - Idensen – Mittellandkanal – Bad Nenndorf - Landgrafentherme – Nordmannsturm – Deisterrücken - Annaturm - Bad Münder - Süntelturm - Rattenfängerstadt Hameln/Weser (gesamt 325 km).

 

In der JH Hameln traf ich verabredungsgemäß Bernd Wolter aus der Heimat, der gerne einige Tage mitwandern wollte. Bei Regen blieb es beim Wollen: 1 Tag marschierte er den Hansaweg über den Klütturm – Hohe Asch mit bis zu Linderhofe / Burg Sternberg. Ja und das war’s dann auch …

 

Auf schlecht markierten Wege verlief ich mich, erreichte dennoch Lemgo und alsbald Detmold. In der JH Detmold, wo mir das Maskottchen „Socke“, der hauseigene Esel gut gefiel, hatte ich eine Unterredung über das heutige Jugendherbergswesen mit dem Hauptgeschäftsführer des Deutschen Herbergsverbandes Bernd Dohn.

 

Interessant war hier das westfälische Freilichtmuseum, wo ich mich bei all den Fachwerkhäusern und Windmühlen sehr wohlfühlte. Nur einige Kilometer entfernt grüßte aus dem Teutoburger Wald das Hermannsdenkmal. Hermann oder Arminius war nach dem Sieg über die Römer in die deutsche und abendländische Geschichte eingegangen. Noch einige Kilometer und ich traf auf die „Egge-Stern-Steine“ – heute bekannt unter dem Namen Externsteine, einst ein germanisches Heiligtum.

 

Unterschlupf fand ich in der JH Horn-Bad Meinberg. Die nächsten Tage wanderte ich durch den Teutoburger Wald und nächtigte in frei und offen stehenden Schutz- und Wanderhütten:

 

Eggeweg – Silbermühle – Iburg – Sachsenklause – EGV-Hütte Bad Driburg -

Herbram Wald – Bierbaum Nagel - Schutzhütte bei Roters Eiche - Oesdorf – Marsberg – X 16 – Kaiser-Otto-Weg vom SGV – Obermarsberg – Eresburg - Schutzhütte Buchholz bei Giershagen.

 

Beim Übernachten im Freien sind die Ohren hellwach: man lauscht dem Kuckucksruf und erfreut sich an den kleinen Frischlingen, die mit Mühe den Weg überqueren.

 

Über Adorf – Schweinsbühl gelangte ich wieder ins Bundesland Hessen. Gerne erhielt ich von den Bauern frische Upländer Milch. Über Willingen/Schwalefeld - Niedersfeld – X 2 – Rothaarweg – Silbach – JH Kahler Asten bei Winterberg - Westfeld – Sauerland - Oberkirchen – Berleburg - Raumland - Schloß Wittgenstein in Bad Laasphe.

 

Zum 1. Mai waren wenig Wanderbegeisterte unterwegs und ich konnte weiterhin ungestört das Aufgehen in der Natur und das Grünwerden der Bäume bewundern. Mir kam so manches Mailied über die Lippen, das ich frohgelaunt sang:

 

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,

da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;

wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,

so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt!

 

 

Ilsequelle – Lahnhof - SGV-Hütte Saarwald von Deuz - Siegen. In Siegen war ich zur Schule gegangen und ich hatte viele Erinnerungen an meine Jugendzeit, wenngleich sich Vieles verändert hatte. Am Marburger Tor und in der Arndtstraße, wo ich jeweils gewohnt hatte, blieb ich in Gedanken versunken.

 

Über den Giebelwald kam ich zur Freusburg und somit meiner Heimat wesentlich näher. So bewunderte ich den Druidenstein und erreichte danach durchnässt Herdorf. Hier hatte ich das Glück und konnte noch eine Nacht in dem zu einer Privatjugendherberge umfunktionierten Haus von Hans Ermert übernachten. Der liebenswerte Hans hat eine Jugendherbergssammlung aufgebaut und bewahrt wohlgehütet Gegenstände und Unterlagen aus den Anfängen der Deutschen Herbergszeit.

 

Nach einer Reportage verließ ich den guten Hans und stieg steil zum Hohenseelbachskopf hoch. Das Wetter meinte es nicht gut, mein Poncho leistete mir wertvolle Hilfe und über den Ketzerstein erreichte ich die Fuchskaute /Westerwald. Gerne nahm ich hier noch eine Stärkung zu mir und wanderte noch am Abend durch den Westerwald ein Stück in Richtung Heimat, wo ich in einer Schutzhütte nächtigte.

 

Schon früh am Morgen, am Montag des 7. Mai’s weckte mich eine neugierige Ricke, ich packte meine Siebensachen und erreichte noch am Vormittag meine Heimatstadt Herborn, wo ich als Erstes mein liebes Mütterchen begrüßte und mich über die kommenden Ruhetage und auf mein Bett sehr freute.

 

Friedlich am Wege ein Dörflein grüßt

und das Bächlein immer eilend, nimmer weilend, rauschend fließt.

Bächlein’s Rauschen klingt mir so wundersam,

wie Freude, daß ich zur Heimat kam.

Heimat, liebe Heimat!

 

Durft ich auch Länder und Meere sehn,

meiner Heimat, vergiß die Heimat nicht.

Heimat, liebe Heimat!

Und das Raunen der alten Bäume spricht:

Liebe die Heimat! Vergiß die Heimat nicht.

Heimat, liebe Heimat!

Köstlich, o Heimat, ist dein Empfang.

Über bunten Auen, hoch im Blauen, Lerchengesang.

Und des Kirchleins Glocke klingt hell ins Land,

wie Freude, daß ich dich wiederfand.

Heimat, liebe Heimat.

 

 

Ach wie angenehm war es wieder im eigenen Bett zu schlafen …

In den nächsten Wochen hatte ich in Herborn Allerlei zu tun; denn schließlich wollte ich ja noch meinen runden Geburtstag feiern.

 

Am Montag, d. 18. Juni 2012, war es dann wieder so weit und es hieß Abschied nehmen. Von Jörg ließ ich mich noch bis zur Fuchskaute im Westerwald fahren, um von hier meine große Wanderung durch Deutschland fortzusetzen.

Wie hatte sich in der Zwischenzeit die Natur verändert: der frühe Regen hatte Gras und Felder wachsen und die Bäume grünen lassen, ein schöner Anblick.

Dafür hatte ich nun Probleme, die versteckten Wegezeichen zu finden.

Auf dem Westerwald blies der Wind so arg, dass mir sofort das Lied einfiel:

 

O du schöner Westerwald,

über deinen Höh’n pfeift der Wind so kalt,

jedoch der kleinste Sonnenschein

dringt tief ins Herz hinein.:,:

 

 

aus dem Westerwaldführer 1910:

„Ich bin ein Deutscher und noch dazu ein Westerwälder, was so viel wie zwei Deutsche gilt.“ von Melander, Graf zu Holzappel, Kaiserlicher Feldmarschall im Dreißigjährigen Krieg.

 

Bad Marienberg - Großer Wolfstein - Westerwälder Seenplatte - Zürbach -

Montabaur - Welschneudorf - Nassau/Lahn - Kloster Arnstein (Pater Bernhard) - Domäne Hohlenfels - Michelbach - Idstein - Taunus - Feldberg - JH Schmitten - Hohemark - Frankfurt/Sachsenhausen - Dreieichenhain - Ludwigsbrunnen mit Heinrich Heim Hütte - Kranichstein - NFH Ober-Ramstadt - Odenwald - Felsenmeer - Waldgasthaus am Borstein - Reichenbach - Heinz-Böhm-Hütte bei Buchklingen - Kohlhof - Ziegelhausen - Heidelberg am Neckar.

 

Das Wochenende zum Monatswechsel Juni/Juli verbrachte ich bei meiner Großcousine Doris und ihrer Familie in Heidelberg. Das schwüle Wetter hatte es in sich: nicht nur der Mensch/Wanderer leidet, leider entladen sich auch Gewitter, von denen eines den Keller von Doris unter Wasser setzte, sodass der Sonntag mit Aufräumungsarbeiten ausgefüllt war.

 

Ziegelhausen - Windhof bei Rauenburg - Kraichgau - Odenheim - Münzesheimer OWK-Hütte - Gochsheim - Stein - Ispringen - Pforzheim / JH Burg Rabeneck - Westweg durch den Schwarzwald - Dobel - Weithäusleplatz - Hohloh - Forbach - Badener Höhe - Ochsenstall - Hornisgrinde - Mummelsee - Alexanderschanze - Hildahütte - Hackhof - Brandenkopf - Hohenlochenhütte - Hausach - Vogtsbauernmuseum in Gutach - Hasemann-Hütte am Farrenkopf - Wilhelmshöhe - Wasserscheide (Donauquelle) - Hof Obere Leimgrube - Kalte Herberge - Titisee - Feldberg - JH Hebelhof - Schluchsee - Lenzkirch - Querweg Freiburg-Bodensee - Schattenmühle- Wutachschlucht - Schurhammerhütte - Blumberg - Riedöschingen - Hegau - Engen - Burg der Grauen Reiter auf Hohenkrähen - Hohentwiel - Singen - Langenrain - Waldkapelle Marienschlucht - Konstanz.

 

 

Konstanz erreichte ich am Sonntag, d. 22. Juli. Somit war ich durch Deutschland von Nord nach Süd gewandert, hatte all die Schönheiten in meinem Heimatland kennengelernt und dabei eine Strecke von ca. 2 298 km zurückgelegt. Grund genug, ein wenig auszuruhen. Erwähnung fand meine bisherige Wanderung im Konstanzer Südkurier. (Abdruck auf Seite 28)

Die kommende Woche befuhr ich den Bodensee mit den Schiffen und besuchte so Überlingen - Friedrichshafen - Lindau - Bregenz / Österreich und mit dem Rheinschiff noch Schaffhausen in der Schweiz.

Ein paar Schritte von Konstanz entfernt, gewisssermaßen als Schwesterstadt, liegt Kreuzlingen in der Schweiz.

 

Ab Montag, d. 30. Juli 2012, wanderte ich nun durch die Schweiz, wohlwissend, dass die Markierung mit dem „X 1“ durch gelbe Wegweiser, die nicht immer eindeutig waren, ersetzt war. Auch das ging nicht immer problemlos vonstatten. Wenn auch teuer – hier zahlte sich mein guter Sommerschlafsack aus – schön war die Schweiz allemal.

 

Weinfelden - Wallfahrtskirche Dreibrunnen (Generalprobe der Geierwally) - Wil - Bazenheid - Lichtensteig - Watwil - Buelenhof - Goldingen - Zürichsee - Rapperswil-Jona (schweizer Nationalfeiertag mit Feuerwerk) - St. Meinrad - Kloster Einsiedeln - Haggenegg - Jakobsweg - Schwyz - Hof Mittlerer Boden - Schilti - Tellskapelle am Vierwaldstätter See - Flüelen - Bielenhof - Amsteg - Teufelsbrücke - Andermatt - Swiss-Trail - Hospental - St. Gotthard Paß (2114 m) - Airolo - Strada alta im Tessin - Osco - Biasca - Ticinofluß - Bellinzona.

 

Nachdem ich die höchste Stelle der Wanderung am St. Gotthard-Paß im Regen gemeistert hatte, erhielt ich auf dem wildromantischen Höhenweg die Nachricht, dass der Vater von Gertrud verstorben war. In der einstigen Langobardenstadt Bellinzona unterbrach ich daher meine Wanderung, um am Donnerstag, d. 9. August mit dem Zug die fantastische Strecke durch den Gotthard-Tunnel nach Hause und zur Beerdigung zu fahren.

 

Am Sonntag, d. 19. August fuhr ich wieder mit der Eisenbahn zurück ins hübsche Bellinzona.

 

Mit neuen Wanderschuhen – die alten hatten im wahrsten Sinne des Wortes den Geist aufgegeben - zog ich dem Ziel näher.

 

Isone - Monte Brigorio - Tesserete - Lugano - San Salvatore - Morcote -

 

Wer recht in Freuden wandern will,

der geh’ der Sonn entgegen!

Da ist der Wald so kirchenstill,

kein Lüftchen mag sich regen.

Noch sind nicht die Lerchen wach,

nur im hohen Gras

der Bach singt leise den Morgensegen

 

 

Figino - Fähre von Morcote über den Luganer See nach Porto Ceresio / italienische Voralpen - Ganna - Campo dei Fiori - Orino – Biandronno – Oriano – Sesto Calende – Ticino-Kanal – vor Tornavento – Nosate – Vernate – Naturpark Lombardo - Park Ticino „La Fagiana“ – Soria Vecchia – Farm Cascina Caremma – Besate – Fischerhütte bei Zelata – Bootsbrücke Ponte di Barche – Zerbolo – Sannazzaro die Burgondi – Pobrücke – Castelnuovo Scrivia – Tortona – Vilavernia – Arquata Scrivia - ligurischer Apennin - Sottovalle – Castagnola – Pass della Bocchetta – Cravasco - Piani di Praglia – Genua-Pegli.

 

Ende August wurde es unerträglich heiß. Zwischenzeitlich war ich von der Sonne verbrannt, von den Mücken zerstochen, das Hemd war verschlissen, und ich mühte mich durch die Flußauenlandschaft der Flüsse Ticino und Po.

 

An einem Seitenarm des Ticino traf ich noch vor der Mittagszeit auf eine einsam gelegene Fischerhütte. Unter der Veranda machte ich mir es bequem, badete am Bootssteg, um den Sommer zu genießen. Es raschelte und siehe da, ein Wiesel kam zum Vorschein. Und dann beobachtete ich das erste Mal eine Nutria oder auch Sumpfbiber genannt. Es kamen noch allerei Tierarten wie z. B. eine kleine Wildschweinrotte am Ufer daher, und ich hatte meine helle Freude am Naturgeschehen und dem Sonnenuntergang in der Einsamkeit.

 

Oft wurde ich gefragt, wieviel Kilometer ich so am Tage wandere: natürlich war das ganz unterschiedlich. Von 6 bis 51 Kilometer am Tag bei Regen und Sonnenbrand.

 

Auch wenn es „Bella Italia“ heißt, die angeblichen Wanderwege waren schlecht oder gar nicht markiert! Ab dem Fluss Po lief ich leider auch viel auf Asphalt.

 

Wenn die Italiener von meiner großen Wanderung erfuhren, bewunderten sie meine Leistung und waren stets hilfsbereit. Ein Wein und etwas zu Essen waren keine Seltenheit. So zog ich durch einsame Bergdörfer, wo manches Haus verlassen oder nun als Wochenendhaus für die Reichen genutzt wurde.

 

… und dann schimmerte das blaue Mittelmeer herauf und ich konnte Genua erkennen … Bis nach Genua-Pegli, einem Vorort von Genua, war es noch ein langer Abstieg. Hier befindet sich eine Wandertafel mit dem Hinweis zum großen Fernwanderweg E 1 – Grund zum Innehalten und Nachdenken. Dankbar und freudig begrüßte ich mit meinen Händen das Meer, genehmigte mir am Strand einen leckeren Weißwein und war stolz auf meine lange Wanderung. Zufrieden war ich auch mit meinem Reisebegleiter, dem guten alten Felltornister – auch liebevoll „Affe“ genannt - der diese Tortour ausgehalten hatte. Der Affe stammte noch aus den Dreißiger Jahren und der braune Fellrücken diente mir manchesmal als Kopfkissen.

 

Nach über 2 915 Kilometern erreichte ich am Sonntag, d. 2. September 2012 die alte Hafenstadt Genua und ich genoss nun einige Annehmlichkeiten, auf die ich unterwegs verzichten musste.

 

Natürlich auch ein Bad im Mittelmeer – ich denke, dass ich mir das wirklich verdient habe!

 

Von Wandern hatte ich genug und auf bequeme Art fuhr ich mit Zug und Bus der Heimat entgegen, wobei ich angenehme Abstecher im Welschland am Gardasee und in Trentin/ Trento machte.

 

In der Umgebung von Trentin gibt es eine zimbrische Sprachinsel. Zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert kamen Ansiedler aus Bayern in diese Berggegend. Eine andere Legende erzählt, dass im Jahre 101 v. Chr. der germanische Stamm der Kimbern (Völkerwanderung der Kimbern und Teutonen) vernichtend geschlagen wurde, und sich Reste der Kimbern in die veronesisch-lessinischen Berge gerettet hätten.

 

So verweilte ich in den Orten Palai im Fersenstal / Palu del Fersina und Lusern. In Südtirol blieb ich gerne je eine Nacht in Salurn - Kalterer See - Bozen und Brixen.

 

Von Salurn marschierte ich zum Kalterer See, wo ich bei warmen Temperaturen badete und unter einer Weinlaube nächtigte, wo nachts die Sterne durch die Weinblätter blinzelten. In Bozen faszinierte mich im Museum die Ausstellung um den Eismenschen Ötzi.

 

Nach einem heftigen Regen war es plötzlich kalt geworden, sodass auf den Bergen Schnee lag, als ich am Donnerstag, d. 13. Sept. 2012 – dabei an den alten Bauernspruch denkend:

 

„Siehst du im Oktober fremde Wandervögel, wird es kalt nach alter Regel“

 

von Brixen mit dem Zug der Heimat entgegenfuhr.

 

Wanderbursche frei und ledig,

zieh ich durch die weite Welt.

Geld und Gut hab ich nicht nötig,

bleibe da, wo’s mir gefällt.

Schlafe auf des Waldes Boden,

über mir das Sternenzelt.

Bruder, komm, und laß uns wandern

in die schöne weite Welt.

 

 


Wolfgang Post

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Der Wanderbericht über die Weitwanderung auf dem E1 von Dänemark nach Italien wurde in unserer Mitgliederzeitschrift Nr. 100 veröffentlicht.

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Bild aus der Rheinzeitung. Genehmigung zur Veröffentlichung liegt vor.
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Südkurier Konstanz vom 31.07.2012
Die Veröffentlichung dieses Artikels wurde uns erlaubt. Wir bedanken uns dafür.
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vom 04. Oktober 2012
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